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Spirituelle Reise

Mythische und spirituelle Orte der Stille hatte man uns bei Matangi-Tours versprochen. Wenn man diesem Motto treu bliebe, wäre es am passendsten, gar nicht über diesen wunderschönen Tag zu reden - aber das wäre wirklich zu schade für all diejenigen, die Bali fernab vom Massentourismus erleben möchten. Uns hat es sehr, sehr gut gefallen!

Unterwegs waren wir zu fünft - davon eigentlich nur drei Touristinnen: Wir beiden Mädels aus dem Rheinland und Yvonne, die ihre Cousine auf Bali besuchte. Wir hatten das Glück, zwei Führer dabei zu haben - Yani, unser balinesischer Guide von Matangi-Tours, und Lambert, Ehemann unserer Gastgeberin im Hotel Lady Bamboo, der uns begleitete und deshalb zu unserem very special Guide wurde! Eine perfekte Kombination, denn Yani hat uns überall hingeführt und über das balinesische Leben berichtet, Lambert das Ganze mit Hintergrundinfos ergänzt.
Passenderweise startete unsere 'spiritual Tour' bei Pura Samuan Tiga, dem Tempel, bei dem einst (Anfang des 11. Jh.) ein für die Entstehung der balinesischen Religion entscheidendes Treffen stattgefunden haben soll. Sechs Heilige sollen sich dort um eine Vereinfachung der konkurrierenden religiösen Strömungen auf Bali bemüht haben, woraus die Glaubensgrundsätze der heutigen balinesischen Religion entstanden sind. Auch wenn wir uns gewünscht hätten, vor Ort von unserem balinesischen Guide mehr Informationen zum kulturellen und architektonischen Hintergrund zu erhalten, war dies ein schöner Einstieg. Übrigens waren wir hier wie auch bei allen anderen Zielen unserer Tour die einzigen Besucher! Wenn man vorher mal zwei Stunden in Kuta war oder bei Sonnenuntergang Pura Tanah Lot besucht hat, weiß man das sehr zu schätzen...

Ein mythischer Ort - eine kleine Quelle und ein Bach in einer verborgenen Schlucht - war unser nächstes Ziel. Selbst Lambert, der seit 23 Jahren überwiegend auf Bali lebt, war vorher noch nie da - für uns ein Qualitätssiegel, was unsere Suche nach dem unentdeckten Bali angeht! Dass Bäche in der freien Natur beliebte Bade- und Waschplätze sind - konnten wir hier erleben. Und eines hat uns den ganzen Tag begleitet: Stille...

In wunderschöner Landschaft inmitten von Reisterassen gab es ein perfektes balinesisches Essen. Begleitet von Gamelan-Musik brauchten wir nichts anderes zu tun, als das Essen und die Natur zu genießen. Den Tee mit Zitronengras, Ingwer und Palmenblatt werden wir nicht vergessen! Dass dies unser Glückstag war, dafür gab's ein deutliches Zeichen: Der Vulkan Gunung Agung zeigte sich von seiner besten Seite, das heißt er verzog sich nicht hinter den Wolken, sondern strahlte in der Sonne!

Eine absolute Seltenheit, die selbst auf Yani Eindruck machte, der das Gaspedal herunterdrückte, um schneller den Weg die steile Bergstraße hinauf zum Tempel Pura Pasar Agung zu schaffen, der auf halber Höhe des Vulkans liegt. Dabei war ziemlich deutlich, dass Motorbremse und Bergpässe nicht unbedingt zu den Stärken unseres balinesischen Guides gehören - aber wofür gibt es Völkerverständigung? :-)
Am Fuße des Tempels half Yani uns bei der Verwandlung von Westlern in authentische Tempelbesucher mit Sarong und Gebetsschal. Dazu gehörte auch, dass er mit uns im Tempel Opfergaben darbrachte und uns grundsätzliche Gebetsriten beibrachte. Dass dies so möglich war, lag auch daran, dass wir die einzigen Besucher des Tempels waren. Die Stille des Ortes und die einzigartige Landschaft war für uns unglaublich! Und genauso, dass von der Magie des Ortes nicht mehr Menschen angezogen werden... Aber wie gesagt, man sollte eigentlich nicht zu laut davon reden...

Zu unserer spirituellen Tour gehörten auch ganz pragmatische Seiten: Der hiesige Priester brauchte eine Mitfahrgelegenheit vom Berg wieder herunter in den Ort, und die Talfahrt war selbstverständlich auch inklusive Fahrstunde 'Motorbremse'. :-) Innere Einkehr stand noch einmal zum Abschluss unseres Tagesausflugs auf dem Programm: Ein örtlicher Priester und seine Frau führten mit uns eine Reinigungszeremonie durch. Mit heiligem Wasser besprengt und mit Blumen in den Haaren geschmückt, haben wir einen Teil des Westens hinter uns gelassen. Unsere Neugierde allerdings natürlich nicht! Zu Gast im Gehöft der Priesterfamilie, haben wir nicht nur ihren heiligen Bereich gesehen, sondern frisch geweiht auch einen Blick in ihre Küche und Garten werfen dürfen.

Ein wirklich sehr spezieller Tag mit besonderen Menschen!

Michaela Wüller

Die Spirituelle Reise sollte direkt mit ihrer Unterkunftsbuchung arrangiert werden. Sie kostet gut 50 Euro pro Person.